Was Skifahrer im freien Gelände im Rucksack haben sollten

Was Skifahrer im freien Gelände im Rucksack haben sollten

Das freie Gelände lockt skifahrer mit unberührten hängen und pulverschnee, birgt jedoch erhebliche risiken. Eine sorgfältige vorbereitung und die richtige ausrüstung können im ernstfall lebensrettend sein. Wer sich abseits gesicherter pisten bewegt, trägt die volle verantwortung für seine sicherheit und muss auf unterschiedlichste situationen vorbereitet sein. Der inhalt des rucksacks entscheidet oft darüber, ob eine tour zum unvergesslichen erlebnis oder zur gefährlichen unternehmung wird.

Die wesentlichen Sicherheitsausrüstungen zum Mitnehmen

Lawinenverschüttetensuchgerät, Sonde und Schaufel

Die lawinensicherheitsausrüstung bildet das fundament jeder freerideausrüstung. Diese drei komponenten sind untrennbar miteinander verbunden und müssen stets gemeinsam mitgeführt werden. Ein lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) allein nützt wenig, wenn sonde und schaufel fehlen.

Das LVS-Gerät sollte vor jeder tour auf funktionsfähigkeit geprüft werden. Moderne geräte verfügen über mehrere antennen und ermöglichen eine präzise ortung verschütteter personen. Die sonde muss mindestens 240 zentimeter lang sein, um auch tiefere verschüttungen lokalisieren zu können. Bei der schaufel empfiehlt sich ein modell aus aluminium mit stabilem stiel und großem blatt.

  • LVS-Gerät mit frischen batterien
  • Lawinensonde mit mindestens 240 cm länge
  • Stabile aluminiumschaufel
  • Regelmäßiges training im umgang mit der ausrüstung

Lawinenairbag-Rucksack

Der lawinenairbag hat sich als zusätzliche sicherheitskomponente etabliert. Durch das auslösen eines airbags vergrößert sich das körpervolumen erheblich, wodurch die wahrscheinlichkeit steigt, an der oberfläche einer lawine zu bleiben. Verschiedene systeme stehen zur verfügung, von kartuschenbasierten bis zu elektronischen varianten.

SystemVorteileGewicht
KartuschenairbagZuverlässig, wartungsarm2,5-3,5 kg
Elektronischer airbagWiederverwendbar, leichter1,8-2,5 kg

Neben diesen lebensrettenden komponenten gehört auch ein erste-hilfe-set zur grundausstattung, das speziell auf alpine notfälle zugeschnitten sein sollte.

Navigationsequipment für die Berge

Topografische Karten und Kompass

Trotz moderner technologie bleiben papierbasierte karten und ein klassischer kompass unverzichtbar. Elektronische geräte können durch kälte, feuchtigkeit oder leere akkus ausfallen. Eine topografische karte im maßstab 1:25.000 oder 1:50.000 zeigt geländeformen, höhenlinien und potenzielle gefahrenzonen.

Der umgang mit karte und kompass erfordert übung. Skifahrer sollten vor der tour die route studieren und markante geländepunkte identifizieren. Bei schlechter sicht oder nebel können diese kenntnisse entscheidend sein.

GPS-Gerät und Smartphone

Moderne GPS-geräte ergänzen die traditionelle navigation optimal. Sie ermöglichen eine präzise positionsbestimmung und das aufzeichnen von routen. Spezielle outdoor-geräte sind robuster als smartphones und verfügen über längere akkulaufzeiten.

  • GPS-Gerät mit vorgeladenen karten
  • Smartphone mit offline-kartenmaterial
  • Powerbank für längere touren
  • Wasserdichte schutzhüllen für elektronik

Die kombination verschiedener navigationsmittel erhöht die sicherheit erheblich und bereitet auf unterschiedliche szenarien vor. Ebenso wichtig wie die navigation ist die versorgung des körpers während anstrengender bergtouren.

Verpflegung und Hydratation

Ausreichend Flüssigkeit mitführen

Die flüssigkeitszufuhr wird bei wintertouren häufig unterschätzt. Durch die trockene bergluft und körperliche anstrengung verliert der organismus erhebliche mengen an wasser. Eine dehydrierung beeinträchtigt die konzentration und erhöht das unfallrisiko.

Isolierte trinkflaschen oder trinksysteme verhindern das einfrieren der flüssigkeit. Warme getränke wie tee liefern zusätzlich wärme und können bei unterkühlung helfen. Pro person sollten mindestens 1,5 liter für eine tagestour eingeplant werden.

Energiereiche Nahrung

Der energiebedarf beim skifahren im freien gelände ist beträchtlich. Hochwertige snacks sollten leicht verdaulich sein und schnell energie liefern, ohne den magen zu belasten.

NahrungsmittelVorteilEnergiegehalt
Nüsse und trockenfrüchteKompakt, haltbarHoch
EnergieriegelSchnell verfügbarMittel bis hoch
SchokoladeSchnelle energieSehr hoch

Regelmäßige kleine mahlzeiten sind effektiver als eine große pause. Der körper kann die energie besser verwerten und die körpertemperatur bleibt stabiler. Neben der richtigen ernährung spielt auch die passende kleidung eine zentrale rolle.

Geeignete Schutzbekleidung

Das Zwiebelprinzip konsequent anwenden

Die mehrschichtbekleidung ermöglicht eine flexible anpassung an wechselnde bedingungen. Die erste schicht transportiert feuchtigkeit vom körper weg, die zweite isoliert, die dritte schützt vor wind und nässe.

  • Funktionsunterwäsche aus synthetischen fasern oder merinowolle
  • Isolierende mittelschicht wie fleece oder daunenjacke
  • Wasser- und winddichte außenschicht
  • Wechselkleidung für längere touren

Schutz für Extremitäten

Hände, füße und kopf sind besonders kälteanfällig. Erfrierungen treten hier zuerst auf und können ernsthafte folgen haben. Ersatzhandschuhe gehören daher zwingend in jeden rucksack.

Eine sturmhaube oder balaklava schützt gesicht und hals bei extremen bedingungen. Skibrillen mit wechselgläsern oder photochromen gläsern passen sich verschiedenen lichtverhältnissen an. Sonnencreme mit hohem lichtschutzfaktor verhindert verbrennungen durch die intensive höhensonne.

Zusätzlich zur persönlichen schutzausrüstung sind mittel zur kommunikation unerlässlich, um im notfall hilfe rufen zu können.

Kommunikationsmittel

Mobiltelefon und Notrufnummern

Das smartphone ist heute das wichtigste kommunikationsmittel im gebirge. Die notrufnummer 112 funktioniert europaweit, auch ohne guthaben und teilweise ohne netzabdeckung des eigenen anbieters. Eine liste mit lokalen rettungsdiensten sollte gespeichert sein.

Der flugmodus spart akkuleistung, sollte aber regelmäßig deaktiviert werden, um die erreichbarkeit zu prüfen. In wasserdichten hüllen und körpernah getragen bleibt das gerät funktionsfähig.

Alternative Kommunikationsmittel

In abgelegenen gebieten ohne mobilfunkempfang bieten satellitenkommunikationsgeräte eine zuverlässige alternative. Diese geräte ermöglichen notrufe und standortübermittlung auch in den entlegensten regionen.

  • Satellitentelefon für expeditionen
  • GPS-Messenger mit SOS-Funktion
  • Signalpfeife zur akustischen ortung
  • Signalspiegel für visuelle kommunikation

Die kombination mehrerer kommunikationswege erhöht die chancen, im ernstfall schnell hilfe zu erhalten. Sollte dennoch ein unfall geschehen, muss die richtige erstversorgung gewährleistet sein.

Notfallbehandlung im Falle eines Unfalls

Umfassendes Erste-Hilfe-Set

Ein alpine erste-hilfe-set unterscheidet sich von standardausführungen durch spezielle komponenten. Neben verbandsmaterial sollte es mittel gegen unterkühlung und höhenkrankheit enthalten.

InhaltVerwendung
RettungsdeckeWärmeerhalt, signalwirkung
DreieckstuchFixierung, verbände
Elastische bindenStabilisierung von gelenken
SchmerzmittelSchmerzlinderung
BlasenpflasterVorbeugung und behandlung

Biwakausrüstung für Notfälle

Bei unvorhergesehenen übernachtungen oder längeren wartezeiten auf rettung kann ein biwaksack lebensrettend sein. Diese leichten, wasserdichten säcke schützen vor wind und nässe und reduzieren den wärmeverlust erheblich.

Zusätzlich empfiehlt sich eine kleine isomatte oder sitzkissen, um den kontakt zum kalten boden zu minimieren. Energiereserven in form von notfallnahrung sollten separat verpackt und leicht zugänglich sein.

Die kenntnis grundlegender erste-hilfe-maßnahmen ist ebenso wichtig wie die ausrüstung selbst. Regelmäßige auffrischungskurse mit schwerpunkt alpine notfälle bereiten optimal auf ernstfälle vor.

Die richtige rucksackausrüstung für das freie gelände kombiniert sicherheitskomponenten, navigationshilfen, verpflegung, schutzkleidung, kommunikationsmittel und notfallausrüstung. Jedes element erfüllt eine spezifische funktion und trägt zum gesamtkonzept der risikominimierung bei. Nur wer alle bereiche abdeckt und den umgang mit der ausrüstung beherrscht, kann die freiheit des freien geländes verantwortungsvoll genießen. Die investition in qualitativ hochwertige ausrüstung und regelmäßiges training zahlt sich im ernstfall aus und ermöglicht unvergessliche erlebnisse in der winterlichen bergwelt.

WhatsApp-Gruppe