Die nieren spielen eine zentrale rolle im menschlichen körper, indem sie abfallstoffe filtern und den flüssigkeitshaushalt regulieren. Wenn diese lebenswichtigen organe plötzlich ihre funktion verlieren, entsteht ein medizinischer notfall, der sofortiges handeln erfordert. Das akute nierenversagen betrifft jährlich millionen menschen weltweit und kann innerhalb weniger stunden oder tage zu schwerwiegenden gesundheitlichen problemen führen. Die früherkennung der symptome und das verständnis der ursachen sind entscheidend, um bleibende schäden zu verhindern und die überlebenschancen zu erhöhen.
Was ist akutes nierenversagen ?
Definition und medizinische einordnung
Akutes nierenversagen, auch akute nierenschädigung genannt, bezeichnet einen plötzlichen verlust der nierenfunktion innerhalb von stunden bis tagen. Dabei können die nieren nicht mehr ausreichend abfallprodukte aus dem blut filtern, was zu einer anhäufung von toxischen substanzen im körper führt. Im gegensatz zum chronischen nierenversagen, das sich über monate oder jahre entwickelt, tritt die akute form unerwartet auf und erfordert sofortige medizinische intervention.
Unterschied zwischen akutem und chronischem nierenversagen
Die abgrenzung zwischen beiden formen ist für die behandlung wesentlich:
- Akutes nierenversagen entwickelt sich schnell und ist oft reversibel
- Chronisches nierenversagen entsteht schleichend und führt zu dauerhaften schäden
- Die akute form kann bei rechtzeitiger behandlung vollständig ausheilen
- Die chronische variante erfordert meist langfristige therapien oder dialyse
Häufigkeit und betroffene personengruppen
Akutes nierenversagen betrifft verschiedene bevölkerungsgruppen unterschiedlich stark. Besonders gefährdet sind ältere menschen, patienten mit vorerkrankungen wie diabetes oder herzinsuffizienz sowie personen, die sich intensivmedizinischer behandlung unterziehen. Studien zeigen, dass etwa 10 bis 15 prozent aller krankenhausaufenthalte mit dieser komplikation verbunden sind.
Die kenntnis dieser grundlagen ermöglicht es, die charakteristischen anzeichen besser zu erkennen und einzuordnen.
Hauptsymptome des akuten nierenversagens
Veränderungen der urinausscheidung
Eines der auffälligsten symptome ist die drastische veränderung der urinmenge. Betroffene bemerken häufig eine deutlich verminderte urinproduktion, die in schweren fällen bis zur kompletten anurie führen kann. In anderen fällen bleibt die urinmenge normal, was die diagnose erschwert. Die farbe des urins kann sich ebenfalls verändern und dunkler oder trüber erscheinen.
Flüssigkeitsretention und ödeme
Wenn die nieren ihre filterfunktion verlieren, sammelt sich flüssigkeit im körper an:
- Schwellungen an beinen, knöcheln und füßen
- Geschwollenes gesicht, besonders morgens
- Atemnot durch flüssigkeitsansammlung in der lunge
- Gewichtszunahme durch wassereinlagerungen
Allgemeine körperliche beschwerden
Die anhäufung von giftstoffen im blut verursacht verschiedene unspezifische symptome, die oft erst spät erkannt werden. Patienten klagen über extreme müdigkeit, übelkeit, erbrechen und appetitlosigkeit. Konzentrationsschwierigkeiten, verwirrtheit und in schweren fällen sogar krampfanfälle können auftreten. Brustschmerzen und unregelmäßiger herzschlag signalisieren eine gefährliche elektrolytstörung.
| Symptomkategorie | Häufigkeit | Schweregrad |
|---|---|---|
| Verminderte urinausscheidung | 70-80% | Hoch |
| Ödeme | 60-70% | Mittel bis hoch |
| Müdigkeit und schwäche | 80-90% | Mittel |
| Übelkeit und erbrechen | 50-60% | Mittel |
Diese symptome können einzeln oder kombiniert auftreten, wobei ihre intensität vom stadium der erkrankung abhängt. Die ursachen hinter diesen beschwerden sind vielfältig und erfordern eine genaue untersuchung.
Häufige ursachen für akutes nierenversagen
Prärenale ursachen
Die häufigste form entsteht durch eine verminderte durchblutung der nieren. Verschiedene faktoren können den blutfluss zu den nieren reduzieren:
- Starker blutverlust durch verletzungen oder operationen
- Schwere dehydration durch erbrechen, durchfall oder unzureichende flüssigkeitsaufnahme
- Herzinsuffizienz, die die pumpfunktion beeinträchtigt
- Sepsis mit gefährlichem blutdruckabfall
- Schwere allergische reaktionen
Renale ursachen
Direkte schädigungen des nierengewebes führen zur intrinsischen form des akuten nierenversagens. Medikamente spielen dabei eine bedeutende rolle, insbesondere bestimmte antibiotika, schmerzmittel aus der gruppe der nichtsteroidalen antirheumatika und kontrastmittel bei radiologischen untersuchungen. Auch autoimmunerkrankungen, schwere infektionen und toxische substanzen können das nierengewebe direkt angreifen.
Postrenale ursachen
Eine blockierung der harnwege verhindert den abfluss des urins. Nierensteine, tumore, vergrößerte prostata bei männern oder blutgerinnsel können den harnfluss behindern. Diese form ist relativ selten, aber bei frühzeitiger behandlung gut reversibel.
Die verschiedenen ursachen erfordern unterschiedliche therapeutische ansätze, können aber alle zu schwerwiegenden folgekomplikationen führen.
Mögliche komplikationen des akuten nierenversagens
Elektrolytstörungen und ihre folgen
Die gestörte nierenfunktion führt zu gefährlichen verschiebungen im elektrolythaushalt. Besonders kritisch ist die hyperkaliämie, ein erhöhter kaliumspiegel im blut, der lebensbedrohliche herzrhythmusstörungen auslösen kann. Auch der kalzium- und phosphatspiegel geraten aus dem gleichgewicht, was zu knochenproblemen und gefäßverkalkungen führt.
Flüssigkeitsüberladung und lungenödem
Wenn die nieren keine flüssigkeit mehr ausscheiden können, sammelt sich diese im körper an. Ein akutes lungenödem entsteht, wenn flüssigkeit in die lunge eindringt und den gasaustausch behindert. Die betroffenen leiden unter:
- Schwerer atemnot, besonders im liegen
- Rasselgeräuschen beim atmen
- Bläulicher hautverfärbung
- Erstickungsangst
Urämie und neurologische komplikationen
Die anhäufung harnpflichtiger substanzen im blut, die sogenannte urämie, beeinträchtigt verschiedene organsysteme. Das zentrale nervensystem reagiert besonders empfindlich, was sich in verwirrtheit, zittern, krämpfen oder sogar koma äußern kann. Auch das herz-kreislauf-system leidet unter der toxischen belastung.
Langfristige folgen für die nierenfunktion
Obwohl akutes nierenversagen grundsätzlich reversibel ist, entwickeln einige patienten eine chronische nierenschädigung. Das risiko steigt mit der schwere und dauer der akuten episode sowie bei wiederholten episoden.
| Komplikation | Risikofaktor | Dringlichkeit |
|---|---|---|
| Hyperkaliämie | Sehr hoch | Notfall |
| Lungenödem | Hoch | Dringend |
| Urämie | Mittel bis hoch | Dringend |
| Chronisches nierenversagen | Mittel | Langfristig |
Diese komplikationen unterstreichen die notwendigkeit einer schnellen und präzisen diagnostik sowie einer angemessenen behandlung.
Diagnose und behandlung des akuten nierenversagens
Diagnostische verfahren
Die diagnose beginnt mit einer gründlichen anamnese und körperlichen untersuchung. Laboruntersuchungen des blutes zeigen erhöhte werte von kreatinin und harnstoff, die auf eine eingeschränkte nierenfunktion hinweisen. Die urinanalyse liefert wichtige hinweise auf die ursache. Bildgebende verfahren wie ultraschall, computertomographie oder magnetresonanztomographie helfen, strukturelle probleme zu erkennen.
Konservative behandlungsansätze
Die therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden ursache:
- Flüssigkeitsersatz bei dehydration
- Absetzen nephrotoxischer medikamente
- Behandlung von infektionen mit geeigneten antibiotika
- Korrektur von elektrolytstörungen
- Optimierung der herz-kreislauf-funktion
Dialysetherapie
Wenn konservative maßnahmen nicht ausreichen, wird eine dialysebehandlung notwendig. Die hämodialyse übernimmt vorübergehend die filterfunktion der nieren und entfernt giftstoffe sowie überschüssige flüssigkeit aus dem blut. Bei intensivpatienten kommt häufig die kontinuierliche nierenersatztherapie zum einsatz, die schonender ist als die intermittierende dialyse.
Unterstützende maßnahmen
Neben der spezifischen therapie sind allgemeine unterstützende maßnahmen wichtig. Eine angepasste ernährung mit reduzierter protein– und kaliumzufuhr entlastet die nieren. Die flüssigkeitsbilanz muss sorgfältig überwacht werden. Medikamentendosierungen müssen der eingeschränkten nierenfunktion angepasst werden, um weitere schäden zu vermeiden.
Die beste strategie besteht jedoch darin, das akute nierenversagen von vornherein zu verhindern.
Prävention des akuten nierenversagens
Risikofaktoren erkennen und minimieren
Die früherkennung von risikopatienten ist der erste schritt zur prävention. Menschen mit vorerkrankungen wie diabetes, bluthochdruck oder herzinsuffizienz sollten regelmäßig ihre nierenfunktion überprüfen lassen. Auch ältere patienten und personen mit früheren nierenproblemen benötigen besondere aufmerksamkeit.
Vorsicht bei medikamenten
Viele medikamente können die nieren schädigen, wenn sie unsachgemäß angewendet werden:
- Nichtsteroidale antirheumatika nur nach ärztlicher anweisung einnehmen
- Bei kontrastmitteluntersuchungen ausreichend flüssigkeit trinken
- Antibiotika-dosierung an die nierenfunktion anpassen
- Regelmäßige kontrollen bei langzeittherapien
Ausreichende flüssigkeitszufuhr
Eine angemessene hydratation ist entscheidend für die nierengesundheit. Besonders bei fieber, durchfall oder starkem schwitzen muss die flüssigkeitsaufnahme erhöht werden. Ältere menschen vergessen oft das trinken und sollten an eine regelmäßige flüssigkeitszufuhr erinnert werden.
Behandlung von grunderkrankungen
Die konsequente therapie von chronischen erkrankungen schützt die nieren. Diabetes und bluthochdruck sollten optimal eingestellt sein. Infektionen müssen rechtzeitig behandelt werden, bevor sie sich auf die nieren ausbreiten können.
Vorsichtsmaßnahmen im krankenhaus
Bei geplanten operationen oder intensivmedizinischer behandlung können präventive maßnahmen das risiko senken. Dazu gehören die überwachung der nierenfunktion, die anpassung der flüssigkeitszufuhr und die vermeidung nephrotoxischer substanzen wann immer möglich.
Akutes nierenversagen stellt einen ernstzunehmenden medizinischen notfall dar, der schnelles handeln erfordert. Die symptome reichen von veränderter urinausscheidung über ödeme bis hin zu schweren allgemeinbeschwerden. Verschiedene ursachen wie verminderte durchblutung, direkte nierenschädigung oder harnwegsobstruktion können zu diesem zustand führen. Ohne behandlung drohen lebensbedrohliche komplikationen wie elektrolytstörungen, lungenödem und urämie. Die diagnose erfolgt durch laboruntersuchungen und bildgebende verfahren, während die behandlung von flüssigkeitsersatz bis zur dialyse reicht. Besonders wichtig ist die prävention durch erkennung von risikofaktoren, vorsichtigen medikamentengebrauch und behandlung von grunderkrankungen. Bei frühzeitiger erkennung und angemessener therapie kann die nierenfunktion in vielen fällen vollständig wiederhergestellt werden.



